Presse

WAZ 30.12.2005

Als Gast auf der eigenen Party

Michel Balvay bietet einen besonderen Party-Service und verwandelt das Zuhause in ein kleines Restaurant.

Der gebürtige Franzose wollte eigentlich Lehrer werden, doch die Gastronomie wurde zu seiner Profession

"Monsieur Michel, bitte schenken Sie den Gästen nach!" Das dürfte man als Gastgeber zu Michel Balvay sagen - für den Fall, dass es tatsächlich seiner Aufmerksamkeit entgangen sein sollte und ein Gast auf dem Trockenen sitzt. Doch das geschieht selten. Michel Balvay ist darauf bedacht, dass die Gastgeber mit seinem Service zufrieden sind. "Sie feiern - wir arbeiten" lautet das Motto des gebürtigen Franzosen, wenn er darum wirbt, das "eigene Zuhause in ein tolles Restaurant" zu verwandeln.

Seit 30 Jahren arbeitet Michel Balvay in der Gastronomie. Seit zwei Jahren bietet er den Service an, auch bei privaten Feiern das Zuhause in ein Restaurant zu verwandeln. "Ich besorge auf Wunsch einen Koch, weiteres Personal zur Bewirtung der Gäste, die Getränke, das Essen. Alles ist möglich, auch Musik kann geliefert werden", erklärt Michel Balvay, der eigentlich einmal Lehrer werden wollte.

Geboren wurde er in Frankreich. Er wuchs in Belgien auf und studierte "germanische Sprachen, das heißt Deutsch, Niederländisch und Englisch. Doch als ich fertig war, gab es keine Jobs." Schon während des Studiums arbeitete er in einem Restaurant. "Über einen Gast bekam ich die Chance, nach Deutschland zu gehen. Sechs Monate wollte ich eigentlich nur bleiben, dann weiter nach England." Aus den sechs Monaten wurden 30 Jahre. Zunächst lebte er in Mülheim, seit 1990 in Duisburg.

Sein Beruf ist für ihn Profession, zufriedene Gäste in lockerer Atmosphäre sind ihm wichtig, Freundlichkeit und Weltoffenheit gibt es von ihm gratis. Er ist alleinerziehender Vater von drei Kindern, der im Moment auf der Suche nach einer Leih-Oma ist. "Schreiben Sie das ruhig, es würde mich freuen, wenn sich jemand meldet."

Freude dürfte auch jeder Gastgeber empfinden, wenn er sich einen ganzen Abend lang plaudernd seinen Gästen widmen kann anstatt dem Geschirr in der Küche. Und das beste kommt zum Schluss: "Wir spülen das Geschirr, räumen die Küche auf und bringen den Müll weg."

Natürlich gibt es diesen Service nicht kostenlos, doch mit einem Stundenlohn von knapp unter 20 Euro pro Person des Personals hat es jeder Gastgeber selbst in der Hand, sein Budget festzulegen. "Es ist ja auch möglich, dass ich nur serviere und das Essen von den Gästen mitgebracht wird. Wie gesagt: Alles ist möglich."

Wichtig ist dem 50-Jährigen ein Draht zu seinen Auftraggebern: "Wir müssen schon auf einer Wellenlänge sein. Die Arbeit soll auch mir Spaß machen. Ich bin ein lockerer Mensch." Und ein Freund der Bücher. "Lesen ist mein großes Hobby." Wann immer möglich, widmet er sich der Literatur. "Ich verschenke oder tausche Bücher, die ich gelesen habe." Damit ist wieder Platz im Bücherregal.

Ein belesener Kellner, der einem die Arbeit auf einer Party abnimmt und zum Schluss die Küche aufräumt und noch den Müll wegbringt - was kann man sich mehr für eine Party im neuen Jahr wünschen?

30.12.2005   Von Alfons Winterseel

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